Selbstlernende KI im Smarthome - Learnings aus einem knappen Jahr Feldtest

28.09.2018

Im Forschungsprojekt LivingCare sollte ein selbstlernendes Smart-Home-System entwickelt werden, welches dafür sorgt, dass für Seniorinnen und Senioren das Leben in der eigenen Wohnung komfortabler, sicherer und energiesparender wird. Dafür wurde Sensorik und Aktorik verbunden und durch eine selbstlernende Künstliche Intelligenz (KI) geschalten. Diese passt sich an die Bedürfnisse des jeweiligen Benutzers anhand seines Verhaltens an und erkennt unerwünschte Ereignisse, wie z.B. einen Sturz. Im Rahmen diesen Projektes wurde ein 11-monatiger Feldtest in 10 realen Wohnungen durchgeführt. Hier fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

  • Obwohl die Seniorinnen und Senioren anfangs von der Tablet-App zur Steuerung des Systems begeistert waren, nahm die Nutzung in den folgenden Monaten stark ab. Die Steuerung eines solchen Systems darf also nicht abhängig von solchen Apps sein. Insbesondere sollte ein Tablet nicht einfach zu einer neueren Form der Multifunktionsfernbedienung werden.
  • Es lassen sich sehr schöne Gewöhnungseffekte beobachten, insbesondere die automatische Heizungssteuerung wurde erst von den meisten Probanden eher abgelehnt. Zum Schluss des Tests, hatten die Senioren sich daran gewöhnt und empfanden die Funktion als wichtig und komfortabel.
  • Die Probanden hatten eine stark veränderte Wahrnehmung der Temperatur, dadurch, dass sie jetzt einen expliziten Messwert erhalten haben und sich nicht mehr nur noch auf ihr Körpergefühl verlassen haben.
  • KI-Algorithmen basierend auf reinforcement learning probieren verschiedene Aktionen aus, um das positivste Feedback zu maximieren. Es ist nicht immer möglich dieses Feedback im häuslichen Umfeld zu erhalten, da bestimmte Aktionen vom Nutzenden nicht registriert werden (z.B. nächtliche Veränderung der Temperatur um wenige Grad in einem entfernten Zimmer) oder es nur geringe Akzeptanz gibt des Ausprobieren gibt (z.B. bei Fehlauslösung des Sturzalarms). Die Systeme benötigen also eine stärkere Regelgebundenheit und einen Kanal, der es auch ermöglicht für die Problemfälle Feedback zu erhalten. Die Ausgestaltung von beidem ist noch ein offenes Problem und muss unter Einbezug der Nutzer stattfinden.


Sollten Sie Interessen an weiteren Ergebnissen haben oder sich zum Thema KI, AAL und Smart-Home interessieren, können Sie sich gerne bei Michael Salwasser melden: Michael.salwasser@youse.de; +49 30 2017 9800