Nutzerbedürfnisse erheben - ohne Nutzer? YOUSE zeigt, wie\'s geht!

17.09.2015

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes MyCyFAPP wird eine mobile Anwendung für junge Mukoviszidose-Patienten entwickelt. Sie unterstützt das Selbstmanagement der täglichen Behandlungen und berechnet die notwendigen, da fehlenden Enzyme, die zu jeder Mahlzeit eingenommen werden müssen. Mit Hilfe einer individualisierbaren IKT-Anwendung (App bzw. Software) können Betroffene im Alltag ihre individuelle Ernährungstherapie besser steuern.

Um frühzeitig Nutzerbedürfnisse zu erkennen, werden im Idealfall die unmittelbaren Endnutzer in den Entwicklungsprozess integriert. Es gibt allerdings Nutzergruppen, wie z.B. Personen mit einer seltenen Krankheit, die nur schwer verfügbar sind.

Um in solchen Fällen dennoch zu hochwertigen Erkenntnissen zu gelangen, eignen sich so genannte Empathie-Workshops mit Stellvertretern der Nutzergruppe. Beim Forschungstreffen von MyCyFAPP in Lissabon hat YOUSE zusammen mit Fachärzten Personas und Lösungsszenarien entwickelt, die auf Basis von tiefreichenden Erfahrungen der Experten Bedürfnisse abbilden. Damit diese Erkenntnisse bestmöglich potentielle Nutzer widerspiegeln, wurden die Ärzte durch ein 3-stufiges Empathieverfahren geleitet.

Dadurch wurde vorhandenes Wissen besser zugänglich und das emotionale Hineinversetzen in die jungen Patienten war leichter möglich. Darüber hinaus ist eine solche Methode der aktiven Vermittlung von Ergebnissen der Research-Phase deutlich zielführender als ein Frontal-Vortrag über gefundene Insights in Bezug auf die Sicherstellung einer nutzerzentrierten Perspektive innerhalb des Entwicklungsteams.

Stufe 1 - Insight-Impulse

\"Shadowing_MyCyFAPP\"Die Experten wurden von YOUSE auf eine Reise in die Welt ihrer Patienten mitgenommen, indem verschiedenste Informationen und Erkenntnisse über die Nutzergruppe “junge Patienten” zur Verfügung gestellt wurden, die während der Research Phase per Interviews und Shadowing gewonnen worden waren. Dadurch wurde die übliche emotionale Distanz zu den (schwer) erkrankten Kindern und Jugendlichen aufgebrochen, die einer Gestaltung aus Patientensicht im Weg stünde. Dies ermöglicht eine stärkere Empathie für die Nutzergruppen und aktiviert nützliches Erfahrungswissen.

Stufe 2 - Personaentwicklung

\"ExpertenworkshopAngeleitet von jeweils einem Facilitator wurden in Kleingruppen von je vier Personen gemeinsam Personas der jungen Patienten kreiert. Ein Erfahrungsaustausch der Stellvertreter konnte so in kürzester Zeit stattfinden und die Erkenntnistiefe wurde verbessert.

Stufe 3 - Szenarienentwicklung

\"WorkshopAuf Basis der erarbeiteten Personas und Patienten-Bedürfnissen wurden in den gleichen Kleingruppen Nutzungsszenarien entwickelt, unter Berücksichtigung von Kontext/Situation, Emotion/ Person, Aktion der Person und Interaktion mit der Technologie. Dadurch wurde die Interaktion nicht allein aus technischer Sicht betrachtet, sondern verankert im Alltag der vorab beschriebenen Patienten.

Fazit

Das von YOUSE verwendete 3-stufige Empathie-Verfahren beschleunigt und verbessert den Entwicklungsprozess innovativer Lösungen: es geht keine Zeit verloren, weil ein fundierter Zugang zu den Bedürfnissen der Nutzer hergestellt werden kann, auch wenn diese schwer zugänglich sind. Auf Basis der von Experten verdichteten Insights kann im Verlauf Feedback der tatsächlichen Nutzer auf einem höheren Level des Erkenntnisgewinns ansetzen. Darüber ist das Entwicklungsteam nicht einfach nur passives Publikum für gefundene Research-Ergebnisse, sondern erarbeitet diese aktiv mit und verinnerlicht so die Philosophie der nutzerzentrierten Entwicklung deutlich stärker.

Die Ergebnisse des Workshops bilden die Grundlage, um in weiteren Entwicklungsschritten erste Prototypen der Mukoviszidose-Appmitbetroffenen Kindern und jungen Erwachsenen zu evaluieren. 

Wenn Sie Fragen zum MyCyFAPP-Projekt oder unserem 3-stufigen Experten-Workshop haben, wenden Sie sich gerne an Tina Weißer: tina.weisser@youse.de / +49 89 2155-6347.